Herzensangelegenheit – Exposé

Ausgerechnet während des Weltkongresses für Kardiologie, der in Wien stattfindet, erleidet der Herzspezialist Prof. Michael Spielmann einen tödlichen Herzstillstand. Inmitten von 30.000 Kollegen aus aller Welt, die nichts mehr für ihn tun können. Seinen mit Spannung erwarteten Vortrag über die neuesten Ergebnisse zur Stammzellen-Forschung wird er also nicht mehr halten können.

Die Medizinerin Lea Mondschein arbeitet im Pressezentrum des Kongresses und versucht, die Medien, die sich gierig auf den Fall stürzen, zu bändigen. Sie ist mehr als skeptisch: Der Professor hatte keinerlei bekannte Herzleiden, wie sie von früheren Kollegen erfährt. Grund genug für den von Lea alarmierten Oberst der Mordkommission Norbert Czerny, eine gerichtmedizinische Untersuchung anzuordnen. Tatsächlich: Der plötzliche Herzstillstand des Kardiologen war künstlich herbeigeführt – durch eine viel zu hohe Dosis Digitalis, die er kurz vorher zu sich genommen haben musste. In seinem Tonikum, wie sich schließlich herausstellt, das er immer morgens und vor anspruchsvollen Auftritten zu sich nahm. Wer immer ihn also auf dem Gewissen hatte, musste Zugang zu seinen Sachen haben und über diese von Kollegen oft belächelte Angewohnheit Bescheid wissen.

Die Suche nach Motiven gestaltet sich für Lea Mondschein, die – sehr zum Missfallen von Oberst Czerny – ihre eigenen Nachforschungen beginnt, ebenso unübersichtlich wie die nach möglichen Verdächtigen.

Hat die Schleppermafia zugeschlagen, weil der Professor das florierende Geschäft nicht decken wollte, Kongresseinladungen für falsche Wissenschafter vor allem aus afrikanischen Ländern auszustellen – ein beinahe sicherer Weg zu einem begehrten Schengen-Visum?

Hat sich die junge Geliebte und ehrgeizige Kollegin des Top-Kardiologen, Helene Tozzi, gerächt, weil er zu seiner Frau Eva zurück wollte (wie die Gattin behauptet)? Oder etwa die betrogene Ehefrau, weil es den Professor endgültig zur Geliebten zog (wie die Geliebte sagt)?

Der geplante Vortrag kann auch nicht weiter helfen, denn die obligate Powerpoint- Präsentation, die Spielmann im Mediacenter des Kongresses abgeliefert hatte, ist verschwunden – aus dem EDV-System der Tagung wurde sie ebenso gelöscht wie von Spielmanns persönlichem Laptop. Da stößt Lea auf eine Kopie des Vortrags, die routinemäßig im Pressezentrum gelandet war – und das Material ist explosiv: Der Professor hatte gar nicht vor, dem internationalen Publikum die neuesten Errungenschaften in Sachen Regeneration des Herzmuskels nach Infarkt durch Stammzellentherapie zu präsentieren. Sondern er war viel mehr drauf und dran, das Ende einiger Karrieren zu besiegeln. Denn Spielmann hat sich entschlossen, die Datenmanipulationen der Forschergruppe um seinen Kollegen und Konkurrenten Prof. Hans Peter Findl offen zu legen. Mit den gefälschten Ergebnissen wollte sich dieser nicht nur Forschungsgelder sichern, sondern auch die Diskussion um die Verwendung embryonaler Stammzellen beeinflussen.

Während der von Lea informierte Czerny den vermeintlich entlarvten Täter Findl auf dem weitläufigen Kongressgelände sucht, um ihn festzunehmen, hat Lea im Pressezentrum eine ebenso unerwartete wie unangenehme Begegnung. Spielmanns Geliebte Hilde Tozzi hatte, wie sich herausstellt, längst erotisch wie wissenschaftlich die Fronten gewechselt und sich auf Findls Seiten geschlagen. Und um ihn und ihre eigene Karriere zu schützen, hat sie Spielmann aus dem Weg geräumt und will jetzt das einzige Beweisstück – die Vortragskopie im Pressezentrum – vernichten, als Lea sie stellt. Czerny hört das Gespräch zwischen den beiden Frauen mit, weil Lea geistesgegenwärtig in ihrer Jackentasche auf die Wahlwiederholungstaste ihres Handys gedrückt hat – und kann gerade noch rechtzeitig eingreifen, bevor Hilde Tozzi auch Lea eine tödliche Herzglykosid-Injektion verpasst.

Einstieg

Dr. Lea Mondschein hob einen der ständig klingelnden Telefonapparate im Pressezentrum ab. „Ich dachte, Sie sollten das wissen“, sagte einer der Security-Männer vom Haupteingang. „Da ist einer auf dem Weg zum großen Vortragsaal zusammengebrochen und mit dem Hubschrauber in die Klinik gebracht worden. Und jetzt kommen schon Kameraleute und wollen wissen, wo das genau passiert ist.“

Lea versprach dem verunsicherten Sicherheitsmann, sich darum zu kümmern und ärgerte sich nicht zum ersten Mal seit Beginn dieser Veranstaltung darüber, dass sie sich hatte überreden lassen, im Pressezentrum des Weltkongresses für Kardiologie mitzuarbeiten. Trubel, ohne Verschnaufpause, von sieben Uhr früh bis spät nachts. Und jetzt auch das noch, darauf würden sich die Boulevard-Reporter mit Begeisterung stürzen. „Herzattacke am Kardiologenkongress – Arzt bricht hilflos zwischen 30.000 Kollegen zusammen“. Lea sah die Schlagzeile förmlich vor sich.

Bevor sie sich auf den Weg zum Haupteingang machte, wählte die gelernte Ärztin die vertraute Nummer der Intensivstation an der Universitätsklinik. Erleichtert stellte sie fest, dass sich Schwester Barbara meldete, die sie von ihrer Zeit an der Klinik gut kannte. „Ihr habt gerade einen Notfall vom Kardiologenkongress bekommen. Kannst Du mir sagen, wie es steht?“ fragte Lea ohne lange Einleitungsfloskeln.
Stille am anderen Ende der Leitung. „Du weißt es also noch nicht“, sagte Barbara schließlich. „Das war Prof. Spielmann. Und wir konnten nichts mehr tun. Er ist gestorben. Plötzlicher Herztod.“

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